Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg

Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg

geht jeden etwas an und befragt jeden.

Wenn auch keine Zeitzeugen mehr leben, so finden sich überall ausdruckstarke stumme Zeugen:
Nicht nur die Friedhöfe auf Schlachtfeldern in West-, Mittel-, Südosteuropa, sondern auch die Namenstafeln in unseren Dörfern, denen zu entnehmen ist, wie viele Männer derselben Familie, eines selben Dorfes, ihr Leben verloren, und dies in jedem Land. Man kann viele andere Beispiele dafür finden, dass die Geschichte in Jedem und Jeder in Europa steckt.

Hinter den Millionen von Namen zeichnet sich das Leben all der Nationen ab, die auf der Suche nach gültigen  Werten in die selbstgestellte Falle liefen, weil sie solche Werte wie „Gerechtigkeit“, „Vaterlandsliebe“, „Aufrichtigkeit“, „Glauben“ usw. jeweils gegen andere Nationen und Menschen definierten. Sie lieferten sich so der industriellen und militärischen Modernität aus, die in unwiderstehlicher Machtentfaltung alles verschlang und über Europa hinaus Völker mitriß, die in Kolonien am Krieg teilnehmen mußten.

Heute verdeckt die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg den Ersten, wegen seiner Steigerungen der industriellen Zerstörung von Leben. In einem Land wie Frankreich aber lebt der „Grosse Krieg“ im Bewusstsein der Menschen als die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, die er für alle Völker wirklich darstellt. Eine Kultur, die sich derart selber zerstörte, wurde für Viele innerhalb und außerhalb von Europa indiskutabel.

Freilich kam nach dem Ersten und, erfolgreicher, nach dem Zweiten Weltkrieg die Bemühung zur     Versöhnung der Erbfeinde. Aber nicht nur, dass diese Pflanze stets gepflegt werden muß. Wer aufmerksam unsere Zeit liest, erkennt heute wie damals die Gefahren der Beeinflussung, der einseitigen Betrachtung, der Stimmungsmache. Aus diesen Gründen befragt die alte Geschichte heute Jeden.

Kennen wir uns heute unter Europäern? Wieviel Überzeugungen und Freundschaften stehen mir zur Verfügung, um  mich Manipulierungen der Meinung und Klischees zu widersetzen?  Was wollen wir als Bürger und Bürgerinnen auf diesem Kontinent gemeinsam leben, was ist uns wichtig inmitten anderer Kontinente?